Danke, mir fehlt nichts

»Oh, ich glaube, mir fehlt
noch ein Text über die eine
oder andere Portion Mut…«
bemerkte sie stirnrunzelnd
und dachte nach.

Über Mut schwadronieren,
während man ein Leben führt,
in dem Angst die ach so
eingebildete Hauptrolle spielt –
haha, nette Idee.

Und dennoch war dies eine
Angelegenheit, über die sie
offen gesagt mehr
zu erzählen haben glaubte
als über manch anderes.

Vielleicht, da man im Laufe
eines von Furcht durchzogenen
Lebens Tag für Tag, rund
um die Uhr im vermeintlich
Kleinen Mut aufbringt…

…um morgens aufzustehen
und sich in dieses laute
Leben hinauszuwagen,
um mit anderen zu sprechen
und ihnen dabei einmal
kurz in die Augen zu sehen,
um am laufenden Band
Entscheidungen zu treffen,
von denen man nie mit
Sicherheit weiß, ob sie nun
»richtig« waren oder nicht,
um zögernd Schritt für Schritt
weiterzugehen, auch ohne
die Überzeugung tatsächlich
zu bestehen, um keinen
Versuch allzu lange auf sich
alleine gestellt zu lassen,
um trotz aller Anstrengung
und jedem Zweifeln weiterhin
darauf zu hoffen, dass
andauernd Mut für alles
Mögliche und Unmögliche
aufbringen zu müssen,
einen stärker macht
als das Gegenteil davon.