Es gibt Tage

Es gibt Tage, da weiß ich nicht wohin mit dem ganzen Mist in meinem Kopf, von jenem herzwärts ganz zu schweigen. An jenen Tagen flirrst du mir bereits beim morgendlichen Kaffeetrinken zwischen Hippocampus und Thalamus umher, wie Mücken in lauen Sommernächten ums Licht und machst mich schwindelig. Meist geht das Spiel dann so weiter – ich sitze im Zug, bei der Arbeit, in der Mittagspause, daheim am Küchentisch, liege auf dem Sofa, im Bett… mit nichts anderem als dir in meinen Gedanken.

Immer wieder frage ich mich, ob erst die Schramme in meinem Herzen heilen muss, bevor die Gedanken an dich nach und nach verebben, oder ob sie die Wunde offen- und damit fortwährend am Leben halten. »Es ist wie es ist« ist im Verlauf der letzten Monate für mich zum zweitmeistgedachten Satz geworden. Gleich nach »wo bist und was tust du?«

Es gibt Tage, da rauben mir all die Erinnerungen an gestern und vorgestern, an früher und damals, an das, was vergangen aber längst nicht vergessen ist, beinahe den Verstand. An jenen Tagen stehe ich im Supermarkt vor dem Müsliregal und weiß von jetzt auf gleich nicht mehr, was ich hier eigentlich wollte, geschweige denn wozu. Denn da ist mit einem Mal nichts anderes mehr als du, du, du. Für gewöhnlich kriege ich mich irgendwann wieder ein, an solchen Tagen. Oberflächlich, halbwegs, angekratzt. Ich tue und erledige, was zu tun und zu erledigen ist, ich grüße, lächle, nicke, seufze – während unter der Oberfläche nur eines brodelt: die Erinnerung an dich und mich, an uns und an Tage, die es wert schienen, gelebt zu werden. So richtig, mit Anlauf und ohne jeden Zweifel.

Hin und wieder frage ich mich, wie weit er wohl zurückliegt, der Zeitpunkt, da ich mir mehr oder weniger sicher war, dass sich dieses Leben eigentlich um mich drehen sollte und nicht um dich. »Es ist wie es ist« ist ein Heuchler von einem Satz, dem ich nur zu gerne mal die Meinung sagen würde. Gleich nachdem ich wissen möchte, wo du bist, was du tust…

…und wie viele Tage es wohl noch dauern wird, bis alles wieder easy listening in Zimmerlautstärke und halbwegs ordentlich ist – in meinem wirren Kopf und wundgesäumten Herzen.