Für dich, für mich und offene Türen

Ich würde dich jetzt gerade in diesem Moment gerne so fest drücken, dass du irgendwann nicht mehr anders kannst, als lachend nach Luft zu japsen. Wann auch immer dieses Irgendwann sein wird. Ich habe Zeit, musst du wissen.

Als ob ein Text von mir dir irgendetwas nehmen könnte, was du nicht mehr haben willst – oder noch nie haben wolltest. Als ob ein Text von mir dir im Umkehrschluss irgendetwas geben könnte, von dem, was du zurzeit am meisten brauchst. Hoffnung. Lachen. Leichtigkeit. Und dennoch. Solange mir nichts anderes bleibt als jene unzähligen Worte hier in mir, die sich ihren Weg nach da zu dir bahnen, versuche ich es mit Schreiben. Ich bilde mir ein, dass Worte manchmal mehr sind als Stille. Nicht immer. Aber doch hin und wieder. Vielleicht sollte ich mir aber auch einfach weniger einbilden und mehr hinsehen.

Wir lernen so viel in diesem Leben, sind wissensdurstig, vielseitig interessiert… solange es dabei nicht um uns selbst geht. Die eigene Tür bleibt nicht wenigen von uns tage-, wochen-, jahrelang verschlossen. Wir begnügen uns mit ein paar scheuen Blicken hin und wieder. Getrübte Sicht durch staubige Fenster. Wovor haben wir eigentlich solche Angst? Natürlich sieht es in den meisten von uns keineswegs so aufgeräumt aus, wie wir es gerne hätten. Aber, wenn meine Wohnung unaufgeräumt ist, lasse ich auch nicht gleich alles stehen und liegen und ziehe ins nächstgelegene Hotel, in der Hoffnung das Chaos regle sich irgendwie von alleine.

Auch wenn dir dieser Text weder etwas nehmen noch geben kann, hoffe ich dennoch, dass du ihn liest. Weil du dann weißt, dass ich an dich denke und du zumindest in meinen Gedanken nicht alleine bist. Womöglich beruhigt mich dieser Gedanke selbst weit mehr, als er dich zu erreichen vermag. Sei‘s drum. Ich glaube im Bestreben darum, anderen im Leben zur Seite zu stehen, hilft man nicht selten auch sich selbst. Indem man jenen Kern in sich erspürt, der einem Menschsein bedeutet, vielleicht. Womöglich auch, da man jemand anderem in Herz und Geist nahe ist und das eine aufatmende Runde Ablenkung von all den eigenen Mini-Dramen nach sich zieht.

Am Ende spielt es vermutlich gar keine Rolle wieso, weswegen oder wofür ich dich jetzt gerade in diesem Moment gerne so fest drücken würde, dass du irgendwann nicht mehr anders kannst, als lachend nach Luft zu japsen. Wann auch immer dieses Irgendwann sein wird. Vielleicht ist das Einzige, was tatsächlich eine Rolle spielt, die Frage, ob ich Zeit dazu habe – oder besser gesagt, ob ich sie mir nehme.

Zeit für dich.
Zeit für mich.
Zeit für einige Augenblicke
sperrangelweit offener Türen
in und zwischen uns.