Memo an dich selbst

Manchmal bleibt dir nichts anderes übrig, als die Luft anzuhalten. Einmal tief einatmen und daraufhin möglichst gar nichts tun – weder atmen noch dich bewegen, geschweige denn an irgendetwas denken. An irgendetwas denken ist immer heikel, denn es führt zu fühlen und das tut in letzter Zeit ausnahmslos weh. Nicht unmittelbar blitzartig, bald darauf höchstens noch leicht surrend wie ein am Tisch gestoßener Ellbogen, sondern sich leise anschleichend, immer lauter anwachsend und beständig bitterflutend.

Wie oft wünschst du dir nichts weiter als ein wenig Gefühlsmüdigkeit, ein bisschen mir-doch-egal, oh-meinetwegen, na-und-wenn-schon. Etwas weniger Fluten und viel mehr (Ver-)Ebben. Ja, wenn du ehrlich bist, wünschst du dir die meiste Zeit über eher den Mangel von irgendetwas als dessen tatsächliche Existenz. Weniger Du, weniger Hier- und Dasein, um weniger falsch zu machen, weniger zu grübeln und am Ende ja doch wieder nicht zu wissen, wie und wozu.

Hin und wieder kommt dir das mit dem Nachdenken und Fühlen vor wie Kuchen essen. Ein Stück ist okay, nein, sogar richtig gut, nach dem zweiten merkst du, dass es genug wäre, das dritte isst du aus Trotz und dem verzweifelten Versuch, die Leere in dir zu füllen (was du nicht wirklich verstehst, denn eigentlich willst du doch weniger) und nach dem vierten Stück, mit dem du dich im Grunde nur noch bestrafen wolltest, gehst du kotzen.

Einmal tief einatmen und daraufhin möglichst gar nichts tun – weder atmen, noch dich bewegen, geschweige denn an irgendetwas denken oder gar fühlen. Ein paar dutzend Sekunden erlösende Stille und beruhigendes weißes Rauschen. Solange, bis das Leben in dir zwangsläufig nach Luft schnappt und all das Atmen, Tun, Denken und Fühlen geballt über dich hereinbricht wie eine tosende Welle, dich herumwirbelt und mitreißt, nur um dich wenige Sekunden später sanft an irgendein Ufer zu spülen, als wäre nichts gewesen.

Memo an dich selbst: Luft anhalten macht alles nur schlimmer.