Nichts weiter

Was ich vielleicht nie verstehen werde, so richtig mit Herz und Verstand, ist die Tatsache, dass Menschen die eigenwillige Angewohnheit haben, ohne Vorwarnung in das Leben anderer zu treten. Da stehen sie auf einmal und machen es sich bequem, werden einem Sonne, Mond und Sterne, bis man gar nicht mehr weiß, was davor war, wie einem geschieht und was danach überhaupt noch kommen könnte.

Das alleine ist schon ziemlich bemerkenswert, da in aller Regel höchst unerwartet. Wie ein kleinerer Lottogewinn oder wenn man selbst für einmal ebenso viele Minuten zu spät ist wie der morgendliche Bus zur Arbeit. Ganz schön bemerkenswert ist es, aber nur eine Seite der Medaille. Dazu gesellt sich still und leise, unauffällig in Nebensätzen abgeladen oder zwischen Zeilen versteckt, eine weitere Tatsache…

Jene, dass Gefühle, so gewaltig und zeitlos sie scheinen, trotz allem abbrennen können wie Wunderkerzen, unbemerkt verglühen wie Sterne am nachtschwarzen Himmel, mit einem lauten Zischen verdunsten, als wären sie billiger Schnaps in der Pfanne. Dass es sich ohne Gestirne leben lässt, auch wenn es unbequem ist und verdammt traurig noch dazu. Dass Kommen und Gehen hin und wieder tatsächlich echt sind und nicht bloß Alpträume, aus denen man mitten in der Nacht schweißgebadet und mit bis zum Hals klopfendem Herzen aufschreckt.

Dass von all den Spuren, die einst so wichtige andere im eigenen Leben hinterlassen haben, manchmal nichts weiter übrig zu bleiben scheint, als die Erinnerung an Sommersprossen in einem Gesicht, das man womöglich nicht wieder sehen und gleichwohl nie vergessen wird.