Schlussmachen für Fortgeschrittene

Hör zu, wir müssen reden. Du weißt, ich mag dich. Sehr. Dennoch, ich bin an jenem Punkt, wo ich ehrlich sagen muss, es geht so nicht weiter mit uns. Ich habe das Gefühl, wir verrennen uns da in etwas, das uns beide nicht glücklich macht. Schlimmer noch, das uns beiden im Grunde genommen alles andere als gut tut. Wenn du ehrlich zu dir bist, weißt du, dass ich recht habe.

Wie lange kennen wir uns nun bereits? Eine halbe Ewigkeit. Und wir hatten gute Zeiten miteinander, verdammt gute sogar. Was haben wir nicht alles zusammen erlebt und gemeinsam durchgestanden. Erinnerst du dich an das Wochenende in Paris? Drei Tage und drei Nächte lang haben wir sie unsicher gemacht, diese fantastische Stadt und was haben wir gut ausgesehen dabei. Oh und weißt du noch, der trostlose Camping-Urlaub in Kroatien, als es drei Wochen lang regnete? Oder damals, als ich noch studierte und wir einen goldsonnigen Herbst lang unzertrennlich waren und ich dir beinahe täglich ins Ohr flüsterte, ich gäbe dich um nichts in der Welt wieder her?

Wir kennen uns schon so viele Jahre. Bloß habe ich in letzter Zeit immer häufiger das Gefühl, dass uns die Zeit in unterschiedliche Richtungen geführt hat. Du bist noch genau so, wie ich dich kennengelernt habe, abgesehen von den paar Jahren mehr auf dem Buckel, die man dir kaum ansieht. Ich aber habe mich weiterentwickelt, in Richtungen, die ich mir selbst nicht hätte träumen lassen.

Ich glaube, wir zehren je länger je mehr bloß noch von den Erinnerungen an unsere gemeinsame Vergangenheit. In der Gegenwart haben wir nicht mehr viel gemeinsam. Ich weiß, es schmerzt und auch ich wünschte, es wäre anders gekommen. Aber es gibt Momente im Leben, da muss man den Tatsachen ins Auge blicken und Konsequenzen ziehen, seinen ganzen Mut zusammen nehmen und einen Schritt vorwärts wagen. Ich muss im Moment einfach mal ein wenig für mich sein. Scheiß auf die ganze Sicherheit und Bequemlichkeit, manchmal müssen einst eingeschlagene Wege enden, um einen weiter zu bringen, sich Türen schließen, damit sich neue öffnen können, ist es nicht so?

Dir wird für immer und ewig ein Platz in meinem Herzen gewiss sein, ich hoffe du weißt das. Und ich danke dir für die schöne Zeit, die wir gemeinsam verbringen durften, ich möchte die Erinnerung daran niemals missen. Ich gebe dich hiermit frei. Auf dass du das Leben anderer mit derselben atemlosen Freude bereicherst, wie du es mit meinem getan hast. Flieg, Schmetterling, flieg! Finde dein Glück und all die Liebe, die du verdienst.

Ich meine, bitte – du bist ein senfgelber Samtblazer mit selbst aufgenähtem Nirvana-Batch aus den 70ern, den ich 1998 in einem Berliner Secondhand-Shop mindestens fourthhand erstanden habe! Im Kiloshop! Für eine Mark zwanzig! Außerdem bist du mir mittlerweile anderthalb Nummern zu klein. Es war von Anfang an klar, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem das mit uns ein Ende hat. Und so leid es mir tut, wir haben 2013, der Punkt ist da und für dich heißt es damit: ab in die Tonne, Alter.

…aber vergiss nicht… I will always love you.