Über das Glück und ob man es sieht

Kann man Glück konservieren? Es in den eigenen Herzästelungen einfangen und festhalten, das geht sehr wohl, meine ich. In Form von Erinnerungen, die nachhallen und Schmauchspuren hinterlassen auf dem Parkett längst verlebter Tage. Über die man in Gedanken mit den Fingern fahren kann und dabei lächeln. Es zwingen anzuhalten und alles andere zu überdauern, das wird wohl nicht klappen. Schon alleine, da festgezurrtes Glück im Grunde keines mehr ist.

»Dass du all das Glück um dich herum nicht siehst, bedeutet nicht, dass da keines ist«, flüstere ich mir hin und wieder selbst zu. Dann, wenn ich trotzig die Arme vor der Brust verschränke und das Leben mal wieder ach so ungerecht finde. Dann, wenn ich nicht weiter weiß oder kann und selbst die Erinnerung an Vergangenes, das ganz schön gut war, meine zäh verklebten Herzästelungen nicht aufblühen lässt.

Ja, es stimmt. Denn auf jene dunklen Tage folgen irgendwann auch wieder andere, hellere, an denen man besser sehen kann – sich selbst, andere und nicht zuletzt auch das Glück, das da ist.

  • Der Duft vom eigenen Lieblingsessen, der durch das Treppenhaus strömt
  • Nachts hoch in den Sternenhimmel zwinkern und sich unfassbar klein fühlen
  • Vogelgezwitscher an einem sonnigen Morgen im August
  • Auf einem Steg sitzen, die Füsse ins Seewasser tauchen und laut kreischen vor Kälte und Freude
  • Ein und denselben Song tagelang in Endlosrepeat hören und dabei konstant Gänsehaut haben
  • Apfelkuchen essen. Zwei Stück mindestens
  • Mit Freunden sommernachts auf dem Balkon sitzen, Wein trinken und über das Leben philosophieren
  • Geburtstage feiern und sich darüber freuen, dass es Menschen gibt, über deren Dasein man dankbar ist, solange es währt und weit darüber hinaus
  • In Hundeaugen blicken und mit butterweichem Herzen losheulen
  • Im Februar in Vorgärten die ersten Schneeglöckchen erspähen
  • Eine innige Umarmung einer Person, die man liebt
  • Alleine zur Lieblingsmusik tanzen und sich dabei so lebendig fühlen, dass man es kaum fassen kann
  • Der Moment, da man merkt, dass das vor einem aufgeschlagene Buch eines ist, das man wieder und wieder lesen wird

…und so vieles mehr…

Ich wünsche uns allen so viele helle Tage wie möglich, an denen wir es sehen und fühlen, das im Grunde so verschwenderisch vorhandene Glück um uns herum.