Über die Liebe – dafür und dawider

Bis die Sonne wieder aufgeht, etwa solange kannst du gut und gerne so tun. So tun als ob. So tun als dennoch. So tun, als wäre alles irgendwie wild und abgefahren und täte überhaupt kein bisschen weh. Auch wenn es in Wahrheit verdammt weh tut (im Geheimen), dich von hier nach da wirbelt (wenn niemand zusieht), all die großen Sprüche Lügen straft (im Stillen). Im Magen tut es weh, hinter der Stirn, in den ewig verspannten Schultern und ganz besonders noch und immer wieder dort drüben, an dieser einen Stelle in Herznähe.

Da kannst du noch so »vergessen« feiern und trinken und Blödsinn labern oder zu therapeutischen Zwecken flirten. Irgendwann kommt er ja doch wieder, der Moment, da du daheim auf der Bettkante sitzt und Tränen schwitzt, dir die Haare raufst und nichts lieber sein würdest, als jemand vollkommen anderes. Jemand anderes. Mit anderem Namen. In einer anderen Stadt. Am besten gleich in einem anderen Land. Mit anderer Haarfarbe und ohne diese albernen Sommersprossen. Mit anderen Freunden und Verwandten, anderen Wünschen und Träumen und einem gänzlich anderen, deutlich weniger promiskuitiven Herzen.

Was glaubst du, kann man am Ende nur verlieren in Sachen Liebe? Gibt es womöglich jene, die schlicht zu doof dazu sind, amouröse Legastheniker, in Liebesdingen gänzlich Unbegabte? Oder ist es vielmehr so, dass wir eigentlich alle in derselben Pfütze sitzen, die einen jedoch stoisch bis hoffnungsvoll nach der Sonne spähen, während die anderen in durchweichten Schuhen im eiskalten Nass sitzen und lauthals anfangen zu heulen?

Ich sage dir eines, ich habe es so satt zu heulen. Über dieses und jenes, allesamt und jeden. Über verpasste Chancen und verletzte Gefühle, all meine Sorgen und offenen Fragen und am hässlichen Ende des allerletzten Akts ja doch bloß immer wieder darüber, dass er jetzt für sie Pfannkuchen bäckt und nicht mehr für mich.

Könnte ich meinem jüngeren »Ich« etwas mit auf den Weg geben, es wäre: »Halt dich bloß und um alles in der Welt fern von der Liebe.« Sie wird dich verschlucken, halbverdaut wieder hochwürgen und sich keinen Deut darum scheren. Sich umdrehen und davonstolzieren wird sie und du wirst dasitzen und heulen. Einmal mehr. Du wirst so viele Taschentücher durchrotzen, dass man locker den gesamten Planeten einmal damit einwickeln könnte. Mindestens. Ja, heulen wirst du und leiden, all deine Hoffnung in das Gute verlieren und nach drei Gin Tonics an irgendeinem Freitagabend im Oktober wiederfinden (aber du weißt, daheim wartet eh bloß wieder die altbekannte Bettkante in Fifty Shades of Loneliness). Du wirst sämtliche Männer dieser Welt über einen Kamm verfluchen und dich selbst gleich mit, wirst dann doch noch drei mehr schlecht als recht gestolperte Meter weit hoffen und bangen, enttäuscht resignieren und es – kein bisschen weiser – irgendwann dennoch wieder wagen.

…UND ER WIRD VERMUTLICH NOCH IMMER PFANNKUCHEN FÜR SIE BACKEN, STATT FÜR DICH.

Aber weißt du was? Trotz allem habe ich oben gelogen. Den Teufel würde ich tun und meinem jüngeren »Ich« je von der Liebe abraten. Ja, sie verschluckt einen und hin und wieder bricht sie Herzen in so viele Teile, dagegen ist das 18‘000er Puzzle zum Deckengemälde der sixtinischen Kapelle der reinste Spaziergang. Das ändert dennoch nichts daran, dass man irgendwo ganz in der Nähe der wunden Stelle in Herznähe zu jeder Zeit weiß, dass es das alles wert war. Ohne Zweifel weiß man das und genau das ist schlussendlich alles, was man zu wissen braucht.

Ich glaube mit einer Leidenschaft, wie ich nicht allzu oft an etwas glaube, dass man niemals das Glück unterschätzen sollte, das es bedeutet, fähig zu sein, jemanden zu lieben. Ob es nun toll läuft oder weniger oder gänzlich in die Hose geht. Ob es weh tut oder gut, einseitig ist oder eher wie ein Bumerang, ob es einen hin und wieder niederstreckt oder aber vermag einen tagtäglich aufzurichten. Ich meine, jetzt mal ernsthaft, was sollen wir denn alle hier, ohne diesen ewigen Strudel aus emotionalem Wahnsinn, Abheben, Ankommen und (sich) Verlieren in einem? Ist es doch ohne Zweifel eines der scheißfabelhaftesten Gefühle dieser so eigenwilligen Komödie namens »Leben«.