Von zelebriertem Herzeleid und anderen Notwendigkeiten

Ich weiß nicht, ob ihr es wisst, aber ich habe ein Talent, mit dem ich mich wahrhaft brüsten kann: »Liebeskummern«. Ja, darin bin ich gut. Und ich meine damit nicht Dorfbeste-im-Armstulpenstricken-gut, sondern richtig, richtig gut. Sagen wir es so, gäbe es eine Liebeskummer-Champions-League, ich wäre der FC Bayern München. Nebenbei bemerkt ist die Sportmetapher gar nicht so daneben, denn wenn mein Herz leidet, dann mit vollem Einsatz und möglicherweise auch mit der ein oder anderen Schwalbe.

Es wirkt auf mich befremdlich, dass Liebeskummer heutzutage oftmals kaum länger zu dauern scheint, als eine durchschnittliche Werbepause bei Germany’s Next Topmodel, während der man mal eben kurz die beste Freundin anruft und verzweifelt in den Telefonhörer schluchzt, nur um sich keine drei Minuten später auch schon wieder über die vermeintlichen Dellen im Hintern irgendeiner Topmodelaspirantin lustig zu machen, die gerade über die Mattscheibe flimmert. Entschuldigung, aber habt nicht ihr eben erst noch rührselige Endlosmonologe über die ganz großen Emotionen, Seelenverwandtschaft und sonstige Gefühlsduseleien gehalten, angesichts derer sogar die »Glücksbärchis« vor Neid erblasst wären? Und nun, einen gefühlten Wimpernschlag später, haltet ihr denselben Endlosmonolog erneut, bloß bereits für eine neue Seele, die ihr erst vorgestern an der Supermarktkasse kennengelernt habt. Okay. Und dazwischen?

Habt ihr stunden-, tage-, wochenlang geheult, gelitten, geschrien, gewütet, gewacht, geschwiegen, gefastet, gefressen, geraucht wie ein Schlot, gesoffen wie ein Loch, traurige Musik gehört, Leck-mich-docham-Arsch-Musik gehört, sinniert, melancholisiert, so wie sich das für eine ordentliche Trennungsdepression gehört? Oder habt ihr ein, zwei Tränen verdrückt und euch gleich darauf in den nächsten Club geschleppt, um dort zielsicher abzuschleppen, was aktuell gerade im Angebot war und euer angeknackstes Ego ein wenig zu bebauchpinseln?

Aber dann die bittere Erkenntnis am Morgen danach: nicht bloß war die verlorene Liebe keineswegs wieder zurück an eurer Seite, nein, ihr konntet euch zu allem Überfluss noch nicht einmal auf die eigene Seite drehen, ohne das Gefühl, tausend kleine Igel würden euer Hirn zu einem Wrestling Battle herausfordern und dabei so fiese Moves wie den Gorilla Press Slam oder den Reversed Frankensteiner draufhaben… War doch so, oder? Ha!

Da lob ich mir doch das altmodische Liebeskummern. Jenes, bei dem man sich einen gigantischen Taschentuchvorrat anschafft, man »The Notebook« ohne weitere Diskussionen mit sich selbst, allfälligen Mitbewohnern, Verwandten oder anderen Nervensägen achthundertsiebenundzwanzigmillionentrallallardenmal hintereinander schauen und dabei über Tage Mengen an Schokoladeneis futtert, die zu ernsthaften Erfrierungsschäden der äußeren Hirnrinde führen können (was in besagtem Zustand allerdings eh niemandem auffallen würde). Weil das verdammt nochmal dazugehört und überdies seinen Sinn hat. Ich glaube, es hat noch keinem geschadet, nach einer Trennung einfach mal kurz stehenzubleiben und durchzuatmen, sich die Zeit zu nehmen, wenigstens ein Stück weit mit Vergangenem abzuschließen und neue Kräfte zu tanken, bevor man sich in die nächste Schlacht wirft.

Man weiß schließlich nie, was einen erwartet. Womöglich trifft man bereits in der Vorrunde auf den FC Bayern München. Oder, noch schlimmer – die »Glücksbärchis«.