Wenn und Aber

Wenn wir an lauen Maiabenden
auf jenen Mauern hoch über
den Lichtern der Stadt sitzen,
die man seit jeher ruiniert nennt
und die uns dennoch steinerner
Inbegriff von Heimat sind,

wenn wir stumm dasitzen und
unser Blick sich in der Weite
vor uns verliert, während unsere
Beine über gestrüppgewandeter
Tiefe baumeln wie zum Trocknen
aufgehängte Kleidung im Wind,

wenn niemand nach irgendetwas
fragt, da Antworten ungleich
häufiger sorgsam aufgeschüttete
Überzeugungen lostreten, als dass
sie einen auch nur eine Nacht
durchschlafen lassen würden,

wenn das, was wir sehen stets
dasselbe bleibt, da er uns wieder
und wieder entwischt, der Mut,
unsere Herzen auch mal in einem
anderem als dem wohlbekannten
Takt schlagen zu hören,

wenn uns Möglichkeiten um die
Köpfe schwirren und tanzen wie
Mücken ums Licht, solange bis
wir uns wünschten, sie wären viel
eher Unmöglichkeiten, die es
lediglich zu akzeptieren gilt.

wenn Abende sich unbemerkt
in Nächte verwandeln und das
Grauen eines neuen Morgens
uns weg von übrig gebliebenen
Mauern und wieder hinunter auf
den Boden der Tatsachen zieht,

bleibe ich noch einmal stehen
und blicke hoch und zurück,
schliesse die Augen und mein
Hoffen irgendwo ein, werfe den
Schlüssel in Gedanken so weit
weg von mir wie ich kann,

…worauf wir uns Hand in Hand
den immerselben Weg durch
die verwinkelten Gassen jener
Art von Wirklichkeit bahnen,
die uns seit Jahr und Tag
Wenn und Aber in einem ist.