Wohin auch immer

Haben wir eigentlich schon einmal darüber geredet, dass keiner von uns beiden auch nur den Anflug eines Hauchs einer Ahnung hat, wohin uns diese Reise führt? Diese Reise, die weder du noch ich gebucht, die wir aber dennoch nie storniert haben.

Wir reden viel für gewöhnlich, du und ich. Darüber nicht. Ohne viele Worte darüber zu verlieren oder mehr oder weniger gewichtige Fragen zu stellen, sind wie sie angetreten, unsere Reise ins Ungewisse. Als Gepäck dabei nichts weiter als zwei, drei Prisen Hoffnung und ein nervöses Lächeln. Eine ziemlich bemerkenswerte Tatsache für jemanden wie mich, die für gewöhnlich nicht weniger als ihren halben Haushalt in einen Koffer zu stopfen versucht.

Ich weiß, dass du mit mir nicht sprechen willst über Dinge, über die man bloß schweigen oder die man leichtfertig zerreden kann. Sie mal eben kaputtreden. Sie zerfleddern mit Worten, sie von a nach z wegdiskutieren, ohne d oder q dabei auch nur halbscharfkantig zu streifen. Aber ist Schweigen eine Alternative? Direkt neben »kaputtreden« nämlich sehe ich »totschweigen« sitzen und müde in den sternenlosen Himmel starren. Ich will beides nicht, musst du wissen. Weder Dinge zerreden bis sie nichts mehr gelten, noch so lange schweigen, bis da schlicht nichts mehr ist, über das man das Wort noch erheben könnte.

Daher frage ich dich, behutsam und vorsichtig: »Stell dir vor, wir wüssten bis zum Schluss nicht, wohin unsere gemeinsame Reise führt. Würdest du sie trotz allem noch ein zweites Mal wagen mit mir?«

Du sitzt da, in deinem fleckigen Hemd (wir hätten das eine oder andere zum Wechseln einpacken sollen) und schaust mich müde lächelnd an.

»Haben wir eigentlich schon einmal darüber geredet, dass keiner von uns beiden auch nur den Anflug eines Hauchs einer Ahnung hat, wohin uns diese Reise führt?«, raunst du mir mit gedämpfter Stimme zu. Ich schüttle den Kopf, mein Blick trübt sich.

»Nein, haben wir nicht«, unterstreichst du mein Kopfschütteln mit den dazu passenden Worten und fährst fort: »Wohin auch immer, wer weiß das schon. Was zählt für mich, ist bloß eines – dass sich mit dir sogar die Ungewissheit irgendwie vertraut und gut anfühlt.«