Woran ich glaube

Woran ich glaube, wenn ich »ja« sage und was dabei auf der Strecke bleibt. Ich lasse es hinter mir, das fest verschnürte Paket aus was immer »nein« besteht und verbiete mir den Blick zurück. 

Was geschieht eigentlich mit Überzeugungen, aus denen man irgendwann herausgewachsen ist – werden sie von anderen nachgetragen wie Pullover, Jacken oder Schuhe?

Was man trotz grösster Anstrengung nicht vergisst, versucht man gut und gerne zu überdecken, zu verstecken, zu übersehen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Obwohl, manche Sinne arbeiten blind.

»Es ist Zeit«, schweige ich. Zeit, hinzusehen in Richtung Verstehen. »Ich bin noch nicht soweit«, flüsterst du. Noch nicht soweit, dich irgendeiner Form von Stille zu stellen, oder mehr.

Die Frage danach, wer wir wären, wären wir ganz wir, wühlt sich in unsere Gedanken, fliesst zwischen Zeilen, wird immer lauter, stellt sich mit Nachdruck, wieder und wieder.

Da ist Lärm in mir, so viel Lärm und Abwesenheit zugleich. Ich versuche hinzuhören, wegzuhören, irgendetwas herauszuspüren aus dem Rauschen und Tosen, der Unruhe, den Pausen.

Woran ich glaube, wenn ich »ja« sage – zu dir, zu mir, zur Stille, zum Lärm und was dabei alles auf der Strecke bleibt – ist nicht weniger und nicht mehr als was die kleine grosse Welt in mir am Laufen hält.

Ich glaube an Mehrspurigkeiten im Unbehagen, das ein Wetterumschwung auszulösen vermag und daran, dass es bloss Nuancen sind, die »eben erst noch« von »später« trennen.

Ich glaube, dass nichts bleibt, wie es ist und nichts geht, ohne etwas dazulassen. Ich glaube, dass es weniger eine Rolle spielt, woran ich glaube als wie beständig mein Herz währenddessen schlägt.

Ich lasse es hinter mir, das fest verschnürte Paket aus was immer »nein« besteht, atme Tagträume ein, Unmöglichkeiten aus – und suche deinen Blick in einem Raum voller Menschen.